Versicherungsvertreter im 21. Jahrhundert

Werbung für Versicherungen: früher unpersönlich, korrekt und klinisch rein. Heute nimmt jeder größere oder kleinere Finanzkonzern für sich in Anspruch, der beste Freund des Kunden zu sein, immer im Hintergrund und allzeit bereit. Der klassische Versicherungsvertreter mit seiner Aktentasche und den unangekündigten Besuchen –in Werbungen als „Herr Kaiser“ tituliert, was an die allseits bekannte Werbefigur der ehemaligen Hamburg-Mannheimer erinnert- ist überholt.

Versicherungsvertreter stehen vor neuen Herausforderungen

Im Zeitalter der Digitalisierung fragt sich der eine oder andere, ob der echte personifizierte Handelsvertreter noch nötig ist. Eine Direktversicherung nach der anderen lockt mit günstigen, schnellen und gläsernen Angeboten sowie einer Telefonhotline, die garantiert für die wenige individuelle Beratung sorgen soll, die noch notwendig ist. Besonders scheint es sich zu lohnen, Kfz-Versicherungen über eine Website abzuschließen: Zeit für eine persönliche Beratung aufzuwenden wird überflüssig für einen Beitrag, der in manchen Fällen kaum der Rede wert ist. Der Leistungskatalog wird, ebenso wie die Allgemeinen Versicherungsbedingungen, nur überflogen, und der Kunde begnügt sich im Allgemeinen mit dem Wissen, dass er sich über Art und Leistung der Versicherung noch informieren könnte- wenn er es denn wollte.

Versicherungsvertreter als Bindeglied zwischen Versicherung und Kunden

Der klassische Versicherungsvertreter ist alles andere als überflüssig. Das bestätigt eine Umfrage, laut der private Haushalte nach der Finanzkrise ein Vertrauensverhältnis zu ihrem persönlichen Berater, nicht aber ihrer Bank konstatierten. Ob, bei wem, was und wann man etwas abschließt, bleibt die eigene Entscheidung; doch wie immer spielen hier vor allem Bauchgefühl und Sicherheitsdenken eine Rolle: wenn das Gesicht zu der Versicherung bekannt ist, fällt die Vorstellung eines Betruges schwer. Und tatsächlich werden dabei auch Empfehlungen von Freunden ständig höher bewertet, denn falls sich eine dunkle Ahnung bewahrheiten sollte – immerhin haben Versicherungen einen bestimmten Ruf-, badet man die Fehlentscheidung wenigstens nicht allein aus.

Und eines sollte bedacht werden: es ist durchaus möglich, dass der Mensch, der dort vor einem sitzt und die Folgen einer fehlenden Kfz Versicherung bildhaft darlegt, durchaus ernst meint, was er sagt. Möglicherweise liebt er seine Arbeit und versteht sie als sozialen Auftrag. Möglicherweise besitzt er Moral, Empathiefähigkeiten und absolute Kompetenz. Möglicherweise ist er auf einen Abschluss aus- aber das geht nur in Kooperation mit dem Kunden.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *