Handelsvertreter vs Angestellter im Außendienst

Verträge bestimmen die Rechtsform. Das war einmal! Seit 1999 erfolgt in der Rechtsprechung die Zuordnung des Vertragstyps anhand der sogenannten „Gesamtbildtheorie“. Hierbei werden nicht nur der Vertragswortlaut und die gewählte Bezeichnung bei der rechtlichen Einordnung betrachtet, sondern welchem Absatzmittlertyp die tatsächliche Vertragshandhabung entspricht. Handelsvertreter aufgepasst!

Vertragstypen im Handel

Vertragstypen lassen sich durch die Vielzahl an Gemeinsamkeiten teilweise nur schwer voneinander trennen. Auch in den abgeschlossenen Verträgen ist die Zuordnung manchmal nur schwer erkennbar.

Grundsätzlich lassen sich 6 unterschiedliche Formen von Vertriebsmitarbeitern festlegen:

  • Handelsvertreter
  • Handelsmakler
  • Kommissionär / Kommissionsagent
  • Vertragshändler
  • Franchisenehmer
  • Angestellter im Außendienst

Handelsvertreter und Angestellter im Außendienst

Handelsvertreter sind gemäß § 84 Abs. 1 selbstständige Gewerbetreibende. Die Selbstständigkeit beruht in erster Linie auf die persönliche Freiheit. Sicherlich ist das Unternehmen, für das der Handelsvertreter tätig ist, in der Lage, ihm gewisse Auflagen zu machen, die persönlichen Freiheiten dürfen jedoch nicht beschränkt werden.

Im Gegensatz zum Handelsvertreter gilt ein Angestellter im Außendienst nicht als Selbstständiger. Er ist zwar wie ein Handelsvertreter damit betraut, im Sinne des Unternehmens Produkte zu veräußern, hat jedoch feste Arbeitszeiten und erhält ein Gehalt. Mittlerweile wird bei der Entlohnung zwischen einem Grundgehalt und einem Zusatzbetrag auf Provisionsbasis unterschieden. Während der Handelsvertreter von der Provision abhängig ist, bekommen Angestellte im Außendienst meist beide Varianten. Auch einen Urlaubsanspruch kann er gegenüber dem Unternehmen geltend machen.

Weiterhin unterscheiden sich beide Vertragstypen in ihrer Weisungsgebundenheit. Das Unternehmen hat deutlich mehr Einfluss auf die Arbeit des Angestellten, als auf die des Handelsvertreters.

Juristisch betrachtet verliert ein Handelsvertreter seine Selbstständigkeit, wenn er nur für ein Unternehmen tätig werden darf und wird in Streitfällen mit einem Angestellten gleich gesetzt.

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